„Bevor ich das erklärt habe, habe ich es schneller selbst gemacht."
Hand aufs Herz: Wie oft haben Sie diesen Satz schon gedacht oder gesagt? Wahrscheinlich oft. Und operativ haben Sie recht: Sie sind schneller. Sie sind besser.
Aber strategisch ist dieser Satz eine Bankrotterklärung. Jedes Mal, wenn Sie ihn sagen, bezahlen Sie eine 10-Euro-Aufgabe mit Ihrer 500-Euro-Stunde. Und noch schlimmer: Sie machen sich zum Nadelöhr Ihres eigenen Wachstums.
Die Kontrollillusion
Warum fällt Loslassen so schwer? Das Paradox ist: Je kompetenter Sie sind, desto schwerer fällt die Delegation. Sie sind wahrscheinlich Führungskraft geworden, weil Sie fachlich exzellent waren. Ihre Kompetenz ist Ihre Sicherheitszone.
Zu delegieren bedeutet, diese Sicherheit aufzugeben und das Ergebnis (vorübergehend) unsicherer zu machen. Das fühlt sich an wie Kontrollverlust. Aber Führung ist nicht die Kunst, alles unter Kontrolle zu haben. Führung ist die Kunst, Ergebnisse durch andere zu erzielen.
Abdication vs. Delegation
Viele Führungskräfte verwechseln Delegation mit "Aufgaben abladen" (Abdication).
Abladen: "Hier, mach mal." (Und wenn es schiefgeht: "Ich wusste, er kann es nicht.")
Delegation: Verantwortung übergeben, Rahmenbedingungen klären, Ressourcen bereitstellen – und dann vertrauen.
Michael Gerber ("The E-Myth") unterscheidet treffend zwischen der Arbeit im Unternehmen (Fachkraft) und der Arbeit am Unternehmen (Unternehmer/Führungskraft). Wer nicht delegiert, bleibt ewig Fachkraft.
Sind Sie ein Multiplier?
Liz Wiseman beschreibt in ihrem Buch "Multipliers" zwei Typen von Leadern:
Diminisher: Sie sind hochintelligent, aber in ihrer Nähe fühlen sich andere klein und inkompetent. Sie saugen die Energie aus dem Raum, weil sie immer die Klügsten sein müssen.
Multiplier: Sie nutzen ihre Intelligenz, um die Intelligenz anderer zu verstärken. Sie geben Verantwortung so ab, dass Mitarbeiter über sich hinauswachsen.
Die Frage ist: Wollen Sie der Genius mit 1.000 Helfern sein? Oder der Genius-Macher? Nur Letzteres skaliert.
Die Kunst, sich überflüssig zu machen
Delegation ist schmerzhaft. Sie müssen zusehen, wie jemand eine Aufgabe anders löst als Sie (und am Anfang vielleicht schlechter). Sie müssen aushalten, nicht gebraucht zu werden.
Aber die beste Führungskraft ist die, deren Team auch läuft, wenn sie vier Wochen im Urlaub ist. Wenn Ihr Handy im Urlaub stillsteht, haben Sie Ihren Job gemacht. Wenn es permanent klingelt, haben Sie versagt.
Fazit
Ihre wichtigste Aufgabe als Leader ist es, sich selbst überflüssig zu machen. Nur dann haben Sie die Hände frei für die nächste Ebene – die strategische Arbeit, für die Sie eigentlich bezahlt werden.
„Die beste Führungskraft ist die, die sich selbst überflüssig macht."
Weiterlesen
Sind Sie der Engpass in Ihrem eigenen Team? Lernen Sie, wie Sie echte Verantwortung übergeben, ohne die Kontrolle über das Ergebnis zu verlieren.
Gespräch vereinbaren