Wahrscheinlich kennen Sie Ihre vier Buchstaben. Ich selbst bekam 2006 das Ergebnis "ESTJ". Sind Sie vielleicht ein "ENTJ"? Ein "INFP"?
Der Myers-Briggs-Typenindikator (MBTI) ist der Popstar unter den Persönlichkeitstests. Er ist unterhaltsam, er ist weit verbreitet – und er ist für professionelle Personalentscheidungen leider weitgehend nutzlos.
Das klingt hart. Aber wenn wir über Leadership-Exzellenz sprechen, brauchen wir Instrumente, die mehr sind als ein Party-Gag.
Warum der MBTI scheitert
Das Hauptproblem des MBTI ist, dass er Menschen in Schubladen steckt ("Boxen"). Sie sind entweder introvertiert oder extrovertiert. Die psychologische Realität ist aber eine Glockenkurve – die meisten Menschen liegen in der Mitte.
Zudem ist die sogenannte Reliabilität schwach: Wenn Sie den Test nach fünf Wochen wiederholen, bekommen bis zu 50% der Teilnehmer ein anderes Ergebnis. Würden Sie ein Thermometer kaufen, das bei gleicher Temperatur heute 20 Grad und morgen 30 Grad anzeigt?
Die wissenschaftliche Basis: Big Five
Wenn es rein um die Erfassung von Persönlichkeitsmerkmalen geht, ist das Big-Five-Modell (OCEAN) der wissenschaftliche Standard. Es misst Dimensionen wie Gewissenhaftigkeit oder Offenheit auf einem Spektrum. Das ist solide und evidenzbasiert.
Aber für Führungskräfte reicht "Persönlichkeit" allein oft nicht aus. Es geht nicht nur darum, wer Sie sind, sondern wie Sie führen – und was Sie davon abhält, wirksamer zu sein.
Ein hilfreicher Ansatz für Entwicklung: Das Leadership Circle Profile (LCP)
Hier kommt das Leadership Circle Profile (LCP) ins Spiel. (Full Disclosure: Wir sind zertifiziert für das LCP "Leadership Circle Profile" und das CLA "Collective Leadership Assessment".) Es ist kein einfacher Persönlichkeitstest, sondern ein umfassendes 360-Grad-Assessment, das Verhalten direkt mit den zugrundeliegenden Denkmustern verknüpft.
Während der MBTI Sie statisch beschreibt ("So bist du halt"), ist das LCP dynamisch und entwicklungsorientiert. Es unterscheidet zwei grundlegende Betriebssysteme der Führung:
Reactive Tendencies (Reaktiv): Führung aus Angst und Sicherheitsbedürfnis.
- Controlling: Ergebnisse erzwingen.
- Protecting: Distanz wahren, zynisch sein.
- Complying: Harmonie wahren, Konflikte meiden.
Diese Strategien haben uns oft erfolgreich gemacht (besonders am Anfang der Karriere), werden aber auf höheren Ebenen zum Limitfaktor.
Creative Competencies (Kreativ/Schöpferisch): Führung aus Vision und Leidenschaft.
- Relating: Echte Verbindungen aufbauen.
- Achieving: Visionäre Ziele setzen.
- Systems Awareness: Das große Ganze sehen.
Warum das LCP den Unterschied macht
Der MBTI sagt Ihnen: "Sie sind ein Denker." Das ist nett zu wissen.
Das LCP sagt Ihnen: "Ihre analytische Stärke kippt in zynische Distanz (Reactive), wodurch Sie Ihr Team verlieren und Innovation blockieren. Um wirksamer zu werden, müssen Sie Ihre Beziehungskompetenz (Creative) stärken."
Das ist der Unterschied zwischen einer Diagnose und einem Heilungsplan. Das LCP zeigt Ihnen nicht nur, wo Sie stehen, sondern warum Sie dort stehen und wie der Weg zur nächsten Stufe aussieht.
Fazit: Evidenz schlägt Intuition
Nutzen Sie den MBTI gerne als Eisbrecher im Workshop. Aber wenn Sie echte Transformation wollen, kann das LCP besonders hilfreich sein – weil es auf Entwicklung ausgelegt ist und tiefer bohrt, um Verhaltensmuster zu verändern.
„Es geht weniger darum, wer Sie sind – sondern wie Sie führen und was Sie daran hindert, wirksamer zu sein."
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